Schüleraustausch Frankreich 2017, 8. Mai – 15. Mai

Käse, Baguette und eine neue Familie

Als wir am Montag, dem 8. Mai 2017, gegen halb neun in den Zug stiegen, lagen sowohl Vorfreude und Reisefieber als auch leichte Unruhe und Anspannung in der Luft. Wir alle fragten uns, wie die Familien unserer uns schon bekannten Austauschschüler wohl sein würden – streng oder lustig, würden wir sie verstehen oder wäre eine Unterhaltung sogar unmöglich?

Unseren Partner kannten wir bereits aufgrund der gemeinsamen Woche in unserer Heimatstadt und es hatte sich schon die eine oder andere Freundschaft entwickelt, sodass wir uns größtenteils sehr auf ein Wiedersehen freuten.
Dann endlich – nach fast neun Stunden abenteuerlicher Zugfahrt erreichten wir Paris Est und wurden herzlich von unseren Gastfamilien empfangen.
Schon ging es weiter zu unserem „neuen Zuhause“, entweder, wie ich, mit dem Zug oder auch mit dem Auto.
Wenn mich jemand heute nach der ersten Erinnerung oder dem ersten Eindruck von Paris an diesem Tag fragen würde, so wären das keineswegs die schönen Häuser oder dass man etwa den Eiffelturm von jedem Punkt aus in Paris sehen würde – nein, es wäre die größtenteils im Dunklen stattfindende Zugfahrt gewesen, mit dem Small-Talk meines Gastvaters in den Ohren.
Als wir schließlich in Montgeron ankamen, war ich erstaunt über die grüne Landschaft – jeder Ort in der Umgebung war umgeben von einem Wald wie aus Urzeiten.
Da ich in Brunoy wohnte, ein Nachbarort Montgerons, fuhren wir noch ein wenig mit dem Auto, bis wir endlich ankamen.

Am nächsten Tag durften die meisten von uns erst einmal so lange schlafen wie sie wollten, denn unsere Austauschpartner mussten eine mündliche Prüfung ablegen.
So hatten wir den Morgen für uns. Am Nachmittag hingegen ging es für mich und einige andere zum ersten Mal direkt nach Paris – das Tagesprogramm: Notre Dame, das Hôtel de Ville und das Ufer der Seine.
Wir hatten die ganze Woche wunderbares Wetter, so auch an diesem Tag. Es hätte sehr idyllisch sein können, entspanntes Spazieren, jedoch stellten wir schnell fest, dass Franzosen immer, wirklich immer sehr schnell laufen, sodass wir kaum hinterherkamen.
Nachdem wir ca. zehn Minuten in eine Richtung gelaufen waren, drehten wir uns um hundertachtzig Grad und liefen fast exakt dieselbe Strecke zurück, um im „Paradis du fruits“ einen leckeren Saft zu trinken. Doch auch hier war Eile angesagt, damit wir unseren Zug nach Montgeron nicht verpassten.
Als wir schließlich gegen sechs zurückkamen, starb ich fast vor Hunger. Ich hoffte zu diesem Zeitpunkt, dass es bald Abendessen gäbe, jedoch fiel mir später ein, dass dieses meist erst um acht oder neun Uhr stattfindet.
Als es dann schließlich soweit war, gab es ein spanisches Nationalgericht namens „Paela“, anschließend Quiche, Salat, Früchte, Baguette und den berühmten französischen Käse – welcher im Übrigen wirklich legendär ist.
Mittwoch früh stand Unterrichtsbesuch von 8:20 Uhr bis 12:35 Uhr auf dem Plan. Eingeteilt in Gruppen konnten wir beispielweise den Französisch-, Deutsch-, Biologie- oder auch Matheunterricht miterleben, genauso wie Physik-Chemie und Geschichte-Geographie. Es war eine interessante Erfahrung und wir wurden von vielen Schülern mit Fragen durchlöchert, die wir selbstverständlich so gut wie es ging, beantworteten.
Nachmittags gingen viele von uns zum Montmartre bzw. zur Sacre-Coeur, jedoch nicht in Gruppen, sondern größtenteils einzeln. Ich war beispielsweise mit meiner Gastmutter unterwegs, da mein Austauschpartner Tennis spielte, ein anscheinend sehr beliebtes Hobby in dieser Gegend.

Am Donnerstag machten wir zum ersten Mal alle etwas gemeinsam, inklusive den Lehrern – ein Ausflug nach Elancourt. Dort verbrachten wir unseren Vormittag in dem Park „France Miniature“, in welchem die beeindruckendsten und bekanntesten Bauten von ganz Frankreich zu sehen waren – natürlich nicht in echt, sondern in wundervollen Miniaturnachbauten. So sahen wir – selbstverständlich – den Eiffelturm, Versailles, das Château d‘eau, Korsika und, und, und.
Damit wir nicht einfach nur durchliefen, sondern auch etwas lernten, gab uns Madame Mouthaseb, die örtliche Deutschlehrerin, ein Quiz zu den verschiedensten Bauwerken, anhand dessen wir neue Dinge erfuhren, auf die wir von selbst nie gekommen wären.
Nach dem Vormittag verbrachten wir eine Stunde in einem naheliegenden Jumping Parc, anschließend ging es zurück nach Montgeron.
Doch noch immer war der Tag nicht vorbei – es folgte ein Empfang im Rathaus der Stadt, wo unter anderem auch der Gründer des Schüleraustausches zwischen Montgeron und Viernau eine sehr inspirierende Rede anlässlich des zwanzigsten Jubiläums hielt.

Während wir am Freitag eine Bootstour im strahlendsten Sonnenschein erleben durften – vom „Tour Eiffel“ aus, Richtung Notre Dame und zurück – mussten unsere Austauschschüler in der Schule sitzen.
Wir genossen anschließend das schöne Wetter in einem Park fast direkt vor dem Eiffelturm, wo einige sehr schöne Fotos entstanden.
Doch leider war dieser Aufenthalt etwas kurz und wir mussten schon bald aufbrechen, allerdings nur, um noch etwas viel Schöneres zu sehen – die Pariser Oper. Ein eindrucksvolles Gebäude mit Räumen, die praktisch nur aus Glanz und Gold bestehen und einer atemberaubenden Treppe.
Mithilfe einer deutschen Führung erfuhren wir schnell etwas Erstaunliches über das Leben damals. Früher war es weder die Aufführung an sich noch die wunderschöne Oper, weshalb die Leute kamen. Nein, einzig und allein, um gesehen zu werden. Das erklärt auch die „Stehbalkone“ an den Pariser Häusern. Die Menschen hatten einen Balkon, um gesehen zu werden, jedoch nicht, um am Abend  gemütlich eine Tasse Tee über dem Pariser Leben zu trinken.
Ein weiteres lang ersehntes Event erwartete uns am Abend – der deutsch-französische Abend. An diesem wird jedes Jahr ein besonders spektakuläres Essen aufgetischt. Dieses Jahr hatten wir die Ehre und das Glück, frische Austern, Schnecken, Garnelen und Shrimps serviert zu bekommen. Wir waren natürlich alle ein wenig geschockt, doch schlussendlich trauten sich erstaunlich viele, die unbekannten Speisen zu probieren und so begann ein lustiger Abend. Die Franzosen ließen mit einer Bilderpräsentation des bisher gemeinsam Erlebten und einem kleinen Geschenk, eine Tasse mit dem Zeichen unseres diesjährigen Schüleraustausches, den Abend gegen elf Uhr ausklingen.

Das Wochenende kam meiner Ansicht nach schon viel zu schnell.
Als wir Samstag früh nach Versailles aufbrachen, wurde mir plötzlich bewusst, dass uns nur noch zwei Tage in Paris blieben.
Doch all dies vergaß ich schnell, als ich den Prunk und die Pracht von Versailles und dessen Gärten zu Gesicht bekam, viel zu schön war es dort.
Nicht jeder ging allerdings dorthin. Andere Aktivitäten waren beispielweise ein Wochenende am Meer, das weitere Entdecken von Paris und etliche andere Dinge innerhalb der Familien.

Sonntag jedoch trafen sich einige, ich eingeschlossen, um einen Tag im Disneyland Paris zu verbringen.
Trotz einiger heftiger Regenschauer, die an einen Weltuntergang erinnerten, und einigen kritischen Momenten, als ein paar von unserer Gruppe sich verlaufen hatten, war es alles in allem ein sehr schöner Tag, und doch war ich sehr froh, als wir den Heimweg antraten, da meine Füße höllisch vom vielen Anstehen schmerzten.
Doch noch eine weitere Sache sollte uns von diesem Tag in Erinnerung bleiben – wir waren Johnny Depp ganz nah; auch wenn wir ihn verpasst hatten, so waren wir doch in der Gewissheit, dass wir zusammen in einem Park gewesen waren. Er besuchte das Disneyland aufgrund des neuen Films „Fluch der Karibik: Salazars Rache“, wie wir später erfuhren.

Im Handumdrehen war aus dem Wochenende schon ein Montag geworden – der Tag der Abreise.
Nach einem mehr oder weniger entspannten Morgen stiegen wir in den TGV nach Hause, jedoch nicht, ohne uns von unseren neuen Freunden zu verabschieden.
Einige Tränen flossen und es wurden Versprechen gegeben, Kontakt zu halten und sich in den Sommerferien zu besuchen.

Und so verflog eine Woche in Paris wie nichts.
An dieser Stelle möchte ich einmal allen Mitwirkenden, die diesen Austausch möglich gemacht haben, von Herzen danken – unseren Gastfamilien in Montgeron und Umgebung, die uns so freundlich aufgenommen haben, unseren Lehrern, die wieder einmal ihr großartiges Organisationstalent unter Beweis gestellt haben und selbstverständlich darf man auch unsere Eltern nicht vergessen, die uns jederzeit tatkräftig unterstützt und diesen Austausch für uns möglich gemacht haben.

Wenn ich jetzt ein Fazit geben sollte, ob dieser Schüleraustausch es wert ist, mitzumachen, würde ich definitiv mit einem großen JA antworten. Es ist faszinierend, neue Kulturen kennenzulernen, noch dazu so leicht und lebensnah in einer Gastfamilie. Diese Chance bekommt man nicht oft, und man sollte sie nutzen, solange man die Möglichkeit dazu hat.

Mit diesen Worten – Au Revoir.

Vivien Hornawsky, 9b, Heinrich-Ehrhardt-Gymnasium